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aus der Zeit des hessischen
Großherzogs und der deutschen Kaiser, wie sie in Bezeichnungen wie Ludwig-, Wilhelm-, Mathilden- und Berberichstraße zum Ausdruck kommen, geht Autor Redlich historisch korrekt auf die Spur. Volkstümlicher Deutungen bedient
er sich, wo die Wissenschaft nicht weiter hilft wie am Beispiel des Schleiergewannwegs, der so heißt, weil sich dort sich dichte Nebel wie Schleier über ein Obstbaumgrundstück legten. Fünf Euro kostet das Bändchen, das
der Heimatverein nur im Museum an der Hauptstraße zum Verkauf anbietet. Es ist gut angelegtes Geld, weil es einen Einblick in die Kulturgeschichte des Orts bis in die Gegenwart hinein liefert, in der nicht nur Honoratioren
gefeiert werden, sondern auch Genussfreude in Straßenbezeichnungen wie Dornfelder Weg zum Ausdruck kommt. 1816 lag Kostheim in Schutt und Asche, um 1842 aus den Ruinen wieder aufzuerstehen, sagte Hans Redlich bei der
Präsentation. 1880 sei der Aufbau des heutigen Alt-Kostheim in Richtung Winterstraße und Kostheimer Landstraße abgeschlossen gewesen. Die Siedlung, um 1920 als Gartenstadt für aus dem Linksrheinischen stammende Mainzer
geplant, markiere den zweiten Schritt in der der Entwicklung des Orts. Die ersten Häuser habe die Ketteler-Stiftung errichten lassen, bis die Mainzer Wohnbau an ihre Stelle getreten sei. Noch heute sei die Siedlung für
ältere Kostheimer „fast Ausland.“ Hans Redlichs Straßenbrevier enthält durchaus die vollständige Auflistung aller Straßennamen. Einen aber wird man aber vergeblich suchen. Nämlich das Flözerdippegässje, in
dessen Namen sich angeblich die wüste Geschichte von den Flößern spiegelt, die mit dem Topf in der Hand ins nächste Wirtshaus eilten, um sich Bier zu besorgen. Auch wenn ein Schild darauf hinweist: Offiziell gibt es diese
Straße gar nicht.
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