Heimatverein

Durch Kostheimer Straßen von A bis Z

 

 

Durch Kostheimer Straßen
von A bis Z
Heimatverein erforscht die Namen
Bericht der Allgemeinen Zeitung - Rhein-Main-Anzeiger
Vom 24.04.2003

zel. KOSTHEIM - Er ist kein dicker Wälzer, sondern ein kleines Brevier, dafür gedacht, es als Anleitung zur Hand zu nehmen und die Ortschaft zu Fuß zu entdecken.
„Kostheim und seine Straßen“, so hat der Nestor des Heimatvereins, Hans Redlich seinen Band genannt, der nicht nur Auskunft über die Namen und Hintergründe gibt. Sondern auch einen Eindruck von der Siedlungsgeschichte der Ortschaft am Main vermittelt, der städtebaulich von drei in Ost-West-Richtung verlaufenden Querachsen geprägt ist.
Alt-Kostheim zwischen dem Main und der Eisenbahnlinie bietet städtebaulich ein anderes Bild als die nach 1920 zwischen Eisenbahngleisen und Hochheimer Straße errichtete Siedlung oder das nördlich der Hochheimer Straße liegende Trabantenviertel an der Uthmannstraße.
Bei einer Pressekonferenz im Heimatmuseum stellte Redlich das Werk vor und verband die Präsentation mit netten Episoden. Die Broschüre erscheint als fünftes Heft in der Schriftenreihe des Heimatvereins. Ein Jahr habe er die Namen zusammengetragen und die Hintergründe erforscht: „Da blättert man es durch und stellt fest, dass es da doch noch eine Straße gibt, die nicht aufgeführt ist.“ Redlichs Straßenkatalog birgt Überraschungen. Da erfährt man, weshalb sich in der Kostheimer Siedlung eine auffällige Häufung von Straßenbezeichnungen nach österreichischen Städten finden. Grund sei die der Anschluss des „Ostmark“ genannten Landes an Nazi-Deutschland gewesen. Von der Braunauer Straße, benannt nach dem Geburtsort des Anführers Hitler, wollte man nach 1945 aus verständlichen Gründen nichts mehr wissen. Sie wurde zur Passauer Straße umgewandelt.
Auf der Suche nach Namen für ihre Straßen entwickelten die Kostheimer eine beachtliche Phantasie: Von A wie Alter Kirschgarten bis Z wie Zur Weißerd finden sich in Redlichs Auflistung alle Adressen, ob sie nun über eine gewisse Größe verfügen wie die Hauptstraße oder nur klein sind wie das Sträßchen Im Peedche. Blaublütigem

 

 



aus der Zeit des hessischen Großherzogs und der deutschen Kaiser, wie sie in Bezeichnungen wie Ludwig-, Wilhelm-, Mathilden- und Berberichstraße zum Ausdruck kommen, geht Autor Redlich historisch korrekt auf die Spur. Volkstümlicher Deutungen bedient er sich, wo die Wissenschaft nicht weiter hilft wie am Beispiel des Schleiergewannwegs, der so heißt, weil sich dort sich dichte Nebel wie Schleier über ein Obstbaumgrundstück legten.
Fünf Euro kostet das Bändchen, das der Heimatverein nur im Museum an der Hauptstraße zum Verkauf anbietet. Es ist gut angelegtes Geld, weil es einen Einblick in die Kulturgeschichte des Orts bis in die Gegenwart hinein liefert, in der nicht nur Honoratioren gefeiert werden, sondern auch Genussfreude in Straßenbezeichnungen wie Dornfelder Weg zum Ausdruck kommt.
1816 lag Kostheim in Schutt und Asche, um 1842 aus den Ruinen wieder aufzuerstehen, sagte Hans Redlich bei der Präsentation. 1880 sei der Aufbau des heutigen Alt-Kostheim in Richtung Winterstraße und Kostheimer Landstraße abgeschlossen gewesen. Die Siedlung, um 1920 als Gartenstadt für aus dem Linksrheinischen stammende Mainzer geplant, markiere den zweiten Schritt in der der Entwicklung des Orts. Die ersten Häuser habe die Ketteler-Stiftung errichten lassen, bis die Mainzer Wohnbau an ihre Stelle getreten sei. Noch heute sei die Siedlung für ältere Kostheimer „fast Ausland.“
Hans Redlichs Straßenbrevier enthält durchaus die vollständige Auflistung aller Straßennamen. Einen aber wird man aber vergeblich suchen. Nämlich das Flözerdippegässje, in dessen Namen sich angeblich die wüste Geschichte von den Flößern spiegelt, die mit dem Topf in der Hand ins nächste Wirtshaus eilten, um sich Bier zu besorgen. Auch wenn ein Schild darauf hinweist: Offiziell gibt es diese Straße gar nicht.
 

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