Heimatmuseum

“Jesusknabe” im Kirchengarten der Maria-Hilf-Kirche

Diesen natürlichen Jesusknaben, in dem das Göttliche noch verhüllt war, wollte ich zeigen. Den Knaben, der sich zwar seiner
Lebensaufgabe, seines Erlöserberufes
lebendig bewusst ist‚ was durch den versonnenen Ausdruck des Gesichtes und die zu Füßen liegende Dornenkrone soll angedeutet sein. Das singende Vöglein auf der Dornenkrone soll sagen: Ach Jesuskind, denk jetzt noch nicht so sehr an dieses Leiden. Die rechte Hand ist noch so unbewegt; erst später wird sie sich erheben, zu segnen, zu belehren. Jetzt ist das Kind noch geneigt zu spielen mit dem hüpfenden Lamme. In dem ganzen Körper liegt maßvolle Bewegtheit und große Schlichtheit. Mit diesen Eindrücken hoffte ich eine würdige Darstellung des göttlichen Kindes schaffen zu können. Angewandt dachte ich mir die Gruppe im Freien und unter spielenden Kindern. Der vorgesehene Sockel, der die Plastik tragen soll, ist wie diese schlicht gedacht. Ein vierseitiger Block, der aus einem liegenden Kreuz erwächst. Dieses Kreuz als Fundament soll andeuten, dass das Jesuskind zu uns kam, uns durch seinen Opfertod zu erlösen.“

Am Sonntag‚ den 8.V.l932 wurde die Weihe des Jesusknaben im Kirchengarten vorgenommen nach der Mittagsandacht durch Herrn Pfarrer Vormwald. Die Feierlichkeit wurde eingerahmt durch Darbietungen des Kirchenchors. Dazwischen die Weiherede des Herrn Kirchenrat Ziegler, die Segnung der Statue und seine Begrüßung durch die Kleinkinderschule.

 

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Jesusknabe im Kirchengarten der Maria-Hilf-Kirche
Plastik des blinden Bildhauers Jakob Schmitt (1929)

Unter dem 17.IV.1932 konnte man im Pfarrblatt folgendes lesen:

Eine plastische Darstellung des Jesusknaben im Kirchengarten.
Es sind uns die Mittel zur Verfügung gestellt worden, um aus dem Atelier unseres kriegsblinden Bildhauers, Herrn Jakob Schmitt eine Figur des göttlichen Kindes von Nazareth anschaffen zu können. Diese Plastik soll im Garten Aufstellung finden, sodass die Kleinen unsrer Kinderschule, wenn sie im Freien spielen, den Jesusknaben vor Augen haben.
Mit den Arbeiten der Aufstellung ist in dieser Woche begonnen worden. Eine Veranschaulichung der Idee, die den Künstler beseelte, wird folgen, sobald das Bild errichtet sein wird. Als Abschluss der Arbeiten ist eine kleine Einweihungsfeier geplant.

1.V.1932. Das Bild des Jesusknaben im Kirchengarten

Es wird jeden, der die Figur im Kirchengarten betrachtet, interessieren zu hören, welche Gedanken der Künstler bei seiner Arbeit veranschaulichen wollte. Hören wir ihn selbst: „Wenn ich mich an die plastischen Darstellungen des Jesusknaben‚ die ich sah, zurück erinnerte‚ so fiel mit eine Eigentümlichkeit auf: Der Knabe ist bereits in einer Haltung gezeigt, wie sie erst dem Manne eigen war, dem Manne‚ der bereits in seiner öffentlichen Heilandsmission stand. Dass man diese Haltung vorweg nimmt und sie schon dem Kinde gibt, ist ja nicht falsch‚ hat sogar einen schönen Sinn. Aber diese Darstellung lässt das kindlich Unbefangene verloren gehen und damit den wunderbarer geheimnisvollen Schleier‚ der über der göttlichen Kindheit ausgebreitet war.

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