Heimatmuseum

Die Plastiken des blinden Bildhauers Jakob Schmitt im Heimatmuseum Kostheim

 


Mit der lebensgroßen Figur des 1922 vollendeten Kuglers erlangte Schmitt überregionale Bekanntheit. Ein Abguss fand im Stuttgarter Robert-Bosch- Krankenhaus Aufstellung, ein zweiter, im Krieg leider zerstörter Bronzeabguß, wurde im Essener Gruga-Park aus Anlass der Gartenbauausstellung gezeigt.
Der blinde Künstler wohnte von 1923 bis 1934 in Mainz-Kostheim im eigenen Haus mit Atelier in der Schiersteiner Straße 17. 1934 verzog er nach Kastel und hatte dort in der Reduit ein großes Atelier.
1925 modellierte Jakob Schmitt für die Mainzer Karmeliterkirche eine Tonplastik: die heilige Theresia vom Kinde Jesu.
1929 entstand eine Steinfigur: Jesusknabe mit dem Lamm für den Kinderspielplatz bei der Maria Hilf Kirche in Kostheim. Der Verbleib dieser Plastik konnte bisher leider nicht geklärt werden.
Mit dem Kruzifix für die 1953 eingeweihte neue Friedhofskapelle des Mainzer Hauptfriedhofs fand der blinde Bildhauer Anschluss an die Stilprinzipien der modernen Sakralkunst.
Ausstellungen des Künstlers waren in Berlin, Essen, Frankfurt/M., Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart, Würzburg und Mainz.
Im Frühjahr 2001 konnte der Heimatverein Kostheim e.V. aus dem Fundus der Stadt Mainz einige Plastiken von Jakob Schmitt als Dauerleihgaben erhalten.
 

Selbstbildnis Jakob Schmitt

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Bildhauer Jakob Schmitt
*11. Oktober 1891  + 13. Dezember 1955

Der gelernte Silberschmied war kurz vor dem ersten Weltkrieg zur Weiterbildung an der Mainzer Kunstgewerbeschule und stand vor der Meisterprüfung. Als Meisterstück war eine Monstranz vorgesehen. Die Zeichnung hatte er selbst angefertigt. Doch es sollte anders kommen. Am Heiligen Abend 1914 wurde er verwundet. Eine Gewehrkugel durchbohrte im bei Roye in Frankreich beide Augen. Nach kurzem Aufenthalt in einem Feldlazarett kam er in die Augenklinik nach Frankfurt am Main. Während andere Blinde ihre Existenz in Maschinenschreiben oder der Musik suchten, machte er Modellierversuche und war als einziger Blinder von 1915 bis 1922 Schüler der Frankfurter Kunstgewerbeschule. Dort befasste er sich in der Hauptsache mit der Großplastik und war so in der Lage, aus dem eigenen inneren Bedürfnis heraus zu arbeiten.
1919 bis 1921 schuf er sein wohl populärstes Werk: den Entenfänger. Dieser wurde 1934 anlässlich der 80-Jahr-Feier des Mainzer Verschönerungsvereins als Brunnenfigur auf dem Flachsmarkt aufgestellt. Diese Plastik verschwand 1945 in den Wirren des 2 Weltkrieges. Zum Glück war das Gipsmodell für einen zweiten Abguss noch vorhanden.
 

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