Heimatmuseum

Wer war Jakob Schmitt ?

später nur in einer Augenhöhle ein Glasauge tragen konnte. Auf Fotographien wie auch auf dem Ölgemälde von Seck-Carton wird Schmitt in der Regel mit einer Augenklappe dargestellt. Aber trastischer stellt die tatsächliche Situation der totalen Blindheit der Künstler Müller-Olm mit einer Kopfplastik aus einer Metall-Legierung dar.
Bei der Beschäftigung mit diesem Thema versuchte ich mir immer wieder vorzustellen, was dies für einen angehenden Silberschmiedmeister hätte auslösen können, wenn mit einem Schlag unwiderruflich Farben und Formen, Natur und Technik in totaler Dunkelheit versinken. Aber Jakob Schmitt reagierte positiv. Nach anfänglicher Irritation gab es keine Resignationen. Er nutzte die ihm angebotene Ausbildung zum Bildhauer. Und auf Grund der ersten Beurteilungen seiner Plastiken von seinem Ausbilder in der Kunstgewerbeschule, Prof. Fritz Hausmann, z.B. ein Selbstporträt, oder das Porträt eines Soldaten, vor allem aber der lachende Knabe und das Relief „Feind“ scheint Jakob Schmitt sicher gewesen zu sein, dass er als Bildhauer seinen Weg gehen wird und erst recht wurde er darin bestärkt mit dem sich anbahnenden Erfolg der bis dahin größten Plastik, nämlich mit dem Kugler. Für ihn schien ebenso festzustehen: Seine Blindheit braucht keinen Mitleid-Bonus und er will auch keinen. Sein ganzes Leben bestimmte diese Haltung, sei es .im privaten Umfeld oder im Kreise seiner Freunde und schon gar nicht wollte er einen solchen Bonus in der Beurteilung seines künstlerischen Schaffens.
Dies galt auch dann, wenn Pläne scheiterten bzw. Absprachen annuliert wurden, wie z.B. beim Scheitern seiner durch große Plastiken schon vorbereiteten Errichtung eines großen Ehrenmals für Mainz oder beim Annulieren eines gegebenen Auftrags für eine Pfarrei in Mainz.
Nach Abschluss seiner Ausbildung in Frankfurt erwarb Schmitt im Jahre 1923 in der Schiersteiner Straße in Mainz-Kostheim ein Haus. Sein junger Freund, der spätere Professor und Steinmetz Müller-Olm besuchte ihn hier schon in den frühen zwanziger Jahren. In seiner Wohnung habe sich Schmitt mit einer Selbstverständlichkeit und Ungehemmtheit bewegt wie ein Sehender. Er wusste anscheinend aufs Genaueste Bescheid, wo sich alles in den Räumen des Häuschens befand. Niemals griff er daneben oder stieß irgendwo an. Außerdem nahm er unentwegt bauliche Veränderungen an dem Haus vor; dies schien ihm Spaß zu machen - so, als habe er sich an einer bestimmten Anordnung der Wohngegenstände auf einmal müde gesehen. (S. 10, KMB, Bd.16) Er unternahm alles, um innerhalb der Wohnung und außerhalb besonders im Umgang mit Nachbarn, Bekannten und Kindern sich selbst und anderen seine Blindheit vergessen zu machen.
 

 

 

 

 

Foto Mitte: “Adam und Eva” am Museumshof
Foto rechts: Grabstätte Jakob Schmitt,Waldfriedhof Mainz-Mombach

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Wer war Jakob Schmitt?
11.10.1891 - 13.12.1955
Rede des 1.Vorsitzenden Norbert Trutzel zur Eröffnung der Sonderausstellung im Heimatmuseum Kostheim
 

Mit dieser Frage zu Beginn meiner Ausführungen anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung von Beispielen für das kreative Schaffen des blinden Künstlers Jakob Schmitt wollen wir die Frage nach dem Menschen Jakob Schmitt stellen und nicht etwa versuchen, die künstlerische Qualität des Künstlers unter die Lupe zu nehmen. Abgesehen davon, dass uns dazu die Kompetenz fehlt, haben dies schon andere getan, wie z.B. der Kunsthistoriker Dr. Hans Körner, der Jakob Schmitt als eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten in der Mainzer Kunstgeschichte bezeichnete. Ich verweise auf den Band 16 der KLEINEN MAINZER BÜCHEREI, auf dessen Erscheinen, als letztem Band dieser Reihe, Herr Dr. Keim maßgebenden Einfluss hatte.
Uns geht es darum, an einen Künstler unserer Region zu erinnern, der in der damaligen Mainzer Kunstszene Anerkennung und viele Freunde fand, und der insbesondere in Kostheim und Kastel als geborener Mainzer für viele Jahre eine Heimat fand.
Mit geht es heute also um den Menschen Jakob Schmitt in seinem Umfeld, und um die Frage, ob und in wie weit aus seinem kreativen Schaffen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit dieses Künstlers möglich sind.

Der blinde Künstler
Ausgang zu all meinen Überlegungen, um den Menschen Jakob Schmitt kennen zu lernen, ist für mich der für alle Menschen mit Sicherheit schlimme, an möglichen Folgen unabsehbare Eingriff in das bisherige Leben, der einen sehenden zum total blinden Menschen machte. Und dies erst recht dann, wenn es einen jungen Menschen trifft, wie bei Jakob Schmitt mit 23 Jahren, am Anfang seiner beruflichen Karriere, voller Hoffnungen, Wünsche und auch Träume.
Jakob Schmitt stand am Abschluss seiner Gesellenzeit als Silberschmied. Seine Meisterarbeit - eine silberne, gotische Monstranz - war in der filigranen Architekturzeichnung fertig. Der Beginn des 1. Weltkrieges und die Einberufung Jakob Schmitts Mitte August 1914 führten letztlich zum totalen Zusammenbruch seiner bisherigen Lebenserwartungen. Und dies geschah am 24. Dezember 1914. Er meldete er sich zu Gunsten eines Familienvaters freiwillig zu einem Patrouillengang. Eine Gewehrkugel nahe der französischen Stellungen vernichtete beide Augen und zwar so total, dass er

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