Heimatmuseum

Wer war Jakob Schmitt ? (Teil II.)

Plastik „Lachender Knabe“ oder im „Entenfänger“, der jedem aufmerksamen Passanten zumindest ein Schmunzeln entlocken kann. Aber auch eines seiner letzten Modelle, wie die „Wasserbläser“ ist ohne Humor des Künstlers kaum denkbar.
Alle Berichte von Zeitzeugen bezeugen, dass der Charakter Schmitts mit viel natürlichem Humor ausgestattet war. Und das war - so meine ich - eine andere tragende Säule, die ihm halfen, seine Blindheit zumindest zeitweise zu vergessen... An dieser Stelle muss ich aber auch an seine einfühlsame, stets hilfsbereite Frau Maria erinnern, die im Verlaufe ihres gemeinsamen Lebens, sie heirateten 1924, zu einer sach- und fachkundigen Beschreiberin der realen Außenwelt, insbesondere bei vielen Museumsbesuchen für Schmitt wurde.
Doch für Jakob Schmitt waren auch solche in der Realität existierenden Probleme keine Gründe zur Resignation, zum Verlust der Freude am Leben, im Gegenteil, fest verbunden mit einer anderen tragenden Säule seines Lebens, nämlich dem Christentum, war Resignation nicht seine Sache.
Ein geradezu rührender Beleg hierzu sind Briefe aus den Jahren 1952 bis 1954 an den damals schwer erkrankten Sohn eines befreundeten Künstlers. Es ging letztlich darum, die Todesangst des damals 23 Jahre jungen Mannes mit dem Sinn des Lebens zu besiegen.
Unter anderem schreibt Schmitt, dass er auf dem langen Lebensweg schon viele Menschen sah, die schwer oder schwerer als man selbst mit Lasten bepackt waren. Und dann erinnert er an seine Situation, als er ebenfalls 23 Jahre alt war und sein Augenlicht verlor. Sinngemäß schreibt er: "Wenn das Bepacktsein schon am Anfang des Lebensweges steht, wo der Sinn noch ganz wo anders hinaus will, ists eine etwas andere Sache mit dem Zurechtkommen. Eines aber gilt für jeden Fall - es steckt ein Auftrag darin". Das gelte auch für jene (Aufträge) "..um die man sich nicht bewirbt, die einem einfach auferlegt werden, dass man sie trägt, sie sind aber nichtsdestoweniger echte Aufträge, deren Sinn zu erkennen, die eigentliche Aufgabe sei, wobei es sich dabei immer um unser Wachstum, um unser Gedeihen zum Guten um unser wahres Menschsein handelt."
Im folgenden Brief konzidiert er, wahrscheinlich als Antwort auf eine Entgegnung, dass es für den Erkrankten doch schwer sei, einzusehen, dass jede Belastung einen Sinn habe, einen Auftrag beinhalte: „…wahre Einsicht hat nur der Eine, der die Einsicht selber ist. Er ist es auch, der die Figuren einsetzt in seinem und unserem Spiel, und er weiß genau, wo und wann er setzt und verrechnet sich auf keinen Fall, obwohl jede seiner Figuren auch selbst Spieler ist. Freie Spieler? Frei? Ja, nur Spielfeld und Spielregel sind gegeben, oft gegen eigenen Wunsch und Gefallen und Plan, ja grausam dagegen. Dennoch, (man muss) ein guter Spieler sein, ein sinnbewusster, bejahender Spieler, nicht Spielverderber und Verneiner, (gewiss), es ist oft eine harte Nuss."
 

 

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Wer war Jakob Schmitt ? (Teil II.)
Rede des 1.Vorsitzenden Norbert Trutzel zur Eröffnung der Sonderausstellung im Heimatmuseum Kostheim

 

Seine Art zu kommunizieren ließ Beklommenheit oder gar Traurigkeit gar nicht erst aufkommen. Wie sollte dies auch möglich sein, wenn Schmitt die Tür eines benachbarten Büros aufmacht und die Büroangestellte temperamentvoll begrüßt mit: „Na, Frau V., wie sehen Sie aber heute wieder gut aus!“ oder wenn, wie es passierte, er am Abend nach einem Besuch ins dunkle Treppenhaus tritt und die Gastgeberin ihn erschrocken zurückhält:
„Halt, halt! Warten Sie ein wenig, ich mache Ihnen erst das Licht an!“ und Schmitt darüber so herzlich lacht, dass alle anderen letztlich ebenso lachen wie er.
Er spielte mit Kindern von Freunden und Bekannten, die alle wussten, dass Herr Schmitt nichts sehen konnte, aber dennoch wollte er die Farben der Puppenkleider raten, er wollte, dass ihm die Tochter eines Kostheimer Arztes aus seinem großen Vorrat an Glas-augen, ein solches mit passender Farbe aussucht - und wenn dann die Farbe Blau immer wieder ausgesucht wurde, konnte sich der schwarze Lockenkopf köstlich darüber amüsieren und zwar immer wieder, weil er merkte, dass dieser Farbkontrast bewusst ausgesucht wurde.
Seit 1934 wohnte Schmitt in der Mainzer Straße in Kastel. Ein Bombenangriff nahm ihm seine Wohnung und auch das Atelier in der Reduit., das er seit 1929 dort einrichten durfte. Seine Notunterkunft in Kiedrich war in den ersten Monaten mehr als erbärmlich. Wen hätte es gewundert, wenn ihm in dieser Situation der Humor abhanden gekommen wäre. Aber eine ihm per Verfügung zugeordnete Haushilfe berichtet, dass sie in dieser Zeit (11 Monate) Herrn Schmitt nie mürrisch oder mit seinem Schicksal hadernd erlebt hätte. Nun ist dies zweifellos kein übliches Kennzeichen von Humor; aber hätte dieser 2. Schicksalsschlag einen Blinden ohne Humor nicht doch aus der stets freundlichen, immer hilfsbereiten und zuvorkommenden Haltung, herauskatapultieren können?
Es bleibt die Frage, ob er seine Blindheit nach außen bewusst mit Humor überspielte? Auch zu dieser Frage möchte ich Müller-Olm zitieren. Er kennzeichnet Jakob Schmitt als einen fröhlichen Typ. Im Kreise seiner Freunde habe er stets die meisten heiteren Einfälle gehabt, er habe gerne gesungen und schien immer froh gelaunt zu sein. Geselligkeit liebte er über alles. Sogar an Fastnacht hatte er seine Freude, er maskierte sich und verfasste mitunter lustige Verse für die Bütt. Und dennoch stellte auch Müller-Olm die Frage, ob die Heiterkeit auch dann zugegen war, wenn er alleine war? Wer sollte diese Frage beantworten können? Jedoch - Humor drückt sich auch in stillem Wirken aus, in den Werken, wie zum Beispiel in der

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