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Geschichte Kostheims im Überblick Vor 1200 Jahren, am 31. August 790, stellte Karl der Große in Kostheim zwei Urkunden aus. Auch wenn sich ihr Rechtsinhalt nicht auf Kostheim bezieht, sind sie doch für unseren Ort von hoher Bedeutung. Es handelt sich nämlich um die erste urkundliche, erste schriftliche und sichere Erwähnung Kostheims überhaupt. Der Ort selbst war freilich schon früher besiedelt, ist älter als 1200 Jahre. Wir wollen seine Geschichte, seine Entwicklung im Laufe der Zeiten in diesem Vortrage nachzeichnen und dabei der eigenen, inneren Chronologie der Ortshistorie folgen. Die Geschichte Kostheims wird von seiner Lage an einer Übergangsstelle am Main, an der Mündung dieses Flusses in den Rhein und seiner Nähe zu Mainz bestimmt. Das Mainmündungsgebiet ist bis ins 18. Jahrhundert ein Überschwemmungs- und Sumpfgebiet, wovon sich auch der Ortsname - Copsistaino in seiner ersten Form, wohl von caput stagni: Haupt am Sumpf - ableitet. Im Vorfeld des bedeutenden, volkreichen und hauptstädtischen Mainz gelegen, muss sich Kostheim mit einer passiven Geschichtsrolle, häufig der Rolle eines Zuschauers begnügen. VorgeschichteErste Spuren menschlicher Besiedlung reichen auf Kostheimer Gemarkung bis in die Jungsteinzeit, also die Zeit zwischen 5000 und 1800 v.Chr. Häufiger sind Funde aus der Hallstatt- und La-Tène-Zeit (800-150 v.Chr.). Allerdings handelt es sich dabei stets um vorübergehende Einzelansiedlungen, von einem wie auch immer gearteten Gemeinwesen kann zu dieser Zeit noch keine Rede sein . Kostheim in der Römerzeit (9 v.Chr. - 406 n.Chr.)Spätestens mit der von Mainz aus geführten Expansion der Römer in das rechtsrheinische Germanien im Jahre 9 v.Chr. gelangt die spätere Kostheimer Gemarkung an das Römische Reich. Militärstrategische Erfordernisse machen die Sicherung von Flußübergängen notwendig, und zwar an beiden Ufern. So wie man den Rheinübergang mit Mainz und Kastel abschirmte, wird man auch den Übergang über den Main gesichert haben: An beiden Ufern werden zunächst Soldaten postiert, dann feste Unterkünfte für sie errichtet, schließlich eine Taverne für sie eröffnet. Immer mehr Menschen lassen sich hier nieder, so dass mit der Zeit sich an beiden Ufern eine Ansiedlung herausbildet. So mag Kostheim entstanden sein. Sicher ist jedenfalls, dass die Fluren rechts und links des Mains bis in den Ortskern des heutigen Kostheim hinein noch heutzutage römische Längen- und Flächenmaße aufweisen. Bestand wird der jungen Siedlung der Bau einer festen Brücke über den Main gegeben haben. Ihre Pfahlreste sieht man noch heute bei Niedrigwasser. Wahrscheinlich auf Grund des siedlungsmäßig günstigeren Bodens werden Neuansiedler den rechtsmainischen Teil Kostheims bevorzugt haben, so dass im Laufe der Zeit, vielleicht der Jahrhunderte, die Ansiedlung links des Mains eingegangen sein wird. Aus römischer Zeit sind noch verschiedene Gedenk- und Grabsteine bekannt, auf diesen Zeitabschnitt weist auch die Bezeichnung Steinerne Straße hin. Erwähnenswert ist noch, dass auf dem Grabmal des Legionärs Tessarius Pullinius Decimus von der in Mainz stationierten XXII. Legion sich heute das Fähncheskreuz befindet. Kostheim in fränkischem Königsbesitz (406/500 - um 850) Der Germanensturm der Jahreswende 406/7 beendet die römische Zeit Kostheims. Die Siedlung am Main könnte dabei untergegangen sein, könnte - was mir wahrscheinlicher vorkommt - mit wesentlich geringerer Bevölkerungszahl fortbestanden haben. Genaues weiß man nicht. Aus der Völkerwanderungszeit ist ein auf 430 datiertes Burgundergrab bekannt, das in der Nähe des Gartenweges entdeckt wurde. Weitere archäologische Funde - nun aus dem Ortskern - sind Gräber aus dem 6. bis 7.Jahrhundert. Zu dieser Zeit ist Kostheim sicher wieder besiedelt, und zwar von Franken. Gemarkung und Siedlung sind königlicher Besitz, wie aus späteren Urkunden hervorgeht. Am 31.August 790 stellt Karl der Große hier zwei Urkunden aus, in denen Kostheim zum ersten Mal erwähnt wird. Im Juli 795 hält er hier sogar eine Reichsversammlung zur Vorbereitung des Feldzuges gegen die Sachsen ab. Bis um das Jahr 850 bleibt Kostheim im Besitz der fränkischen Könige, bis es Ludwig der Deutsche verschenkt. Kostheim als Frankfurter Dombesitz (um 850 - 1000) Um 850 gelangt die „Kapelle“ zu Kostheim - so heißt es in der Urkunde - mit den dazugehörigen Ländereien, Zehnten usw. als königliche Schenkung an die Salvatorkapelle zu Frankfurt am Main, aus der sich später der Frankfurter Dom entwickelt. Diese Schenkung wird 870, 880, 882, 974 und 977 bestätigt. Beim Frankfurter Dom verbleibt Kostheim rund 150 Jahre. Kostheim im Besitz des Klosters Burtscheid bei Aachen (1000 - 1224) Aus uns unbekannten Gründen erneuert König Otto III. die Schenkung an die Frankfurter Salvatorkapelle nicht, übereignet vielmehr Kostheim am 2. Februar des Jahres 1000 dem Kloster Burtscheid bei Aachen. Die Voraussetzungen zur Ausübung einer effektiven Herrschaft sind für das Kloster von vornherein ungünstig. Die Entfernung zwischen Burtscheid und Kostheim beträgt per Luftlinie bereits mehr als 200 km, also eine Reise von über einer Woche zu Pferd. Das Kloster wird sich mit der Einsetzung eines Amtmannes begnügt haben, der die Naturalzehnten vor Ort verkauft und das Geld nach Burtscheid geschickt haben wird. Das Kloster kann zudem als geistliches Institut keine weltliche Gerichtsbarkeit ausüben, kann sich nicht mit Waffengewalt durchsetzen. Dazu bedarf es der Hilfe von Vögten. Die Vogtei üben anfänglich die Mainzer Burggrafen aus, später die Grafen von Eppstein. Über das innere Werden Kostheims unter der Herrschaft des Klosters Burtscheid ist wegen fehlender Quellen so gut wie nichts bekannt. Der Ort liegt im Königssondergau, der wegen seiner zentralen Lage und der Nähe zu Mainz bevorzugt für Reichsversammlungen und Königswahlen genutzt wird. Dabei dient das rechtsrheinische Gebiet, besonders die Maaraue, des öfteren als Versammlungsplatz. Am bekanntesten ist das Reichsfest Kaiser Friedrichs I. Barbarossa zu Pfingsten 1184. Das weit entfernte Kostheim wird eine vom Kloster Burtscheid unterschiedliche, eigenständige Entwicklung genommen haben. Besonders die Vögte fühlen sich als die eigentlichen Herren Kostheims, überschreiten ihre Befugnisse und vertreten ihre Eigeninteressen. So sind uns hauptsächlich Streitfälle zwischen dem Kloster und den Vögten wegen Amtsüberschreitungen bekannt. 1217 wendet sich Burtscheid in seiner Not sogar an den Mainzer Erzbischof um Hilfe. So wird es den Nonnen von Burtscheid nicht schwer gefallen sein, im Oktober 1224 Kostheim an das Stift St.Stephan zu Mainz zu verkaufen. Kostheim im Besitz von St.Stephan zu Mainz (1224 - 1506) Für 250 Mark Silber geht also Kostheim 1224 in den Besitz des Stephanstiftes über. Als Vögte fungieren weiterhin die Grafen von Eppstein. Mit dem Stephanstift erwerben aber im 13. und 14. Jahrhundert weitere Mainzer geistliche Institute Rechte und Grundbesitz in Kostheim. Das Patronat über die Ortskirche St.Kilian steht dem Nonnenkloster Altmünster zu, d.h. dieses bestellt den Ortspfarrer - ein erster ständiger Vikar Hermannus wird 1277 erstmals erwähnt - und besoldet ihn, ebenso den Glöckner, zudem ist es für den Unterhalt des Kirchengebäudes zuständig. Grundbesitz erhalten und erwerben das Liebfrauenstift, das Heilig Geist-Hospital, St.Johannes, St.Viktor, St.Klara und Heiligkreuz - alle zu Mainz - , aber beispielsweise auch das Kloster Tiefenthal, um ein auswärtiges Institut zu nennen. Kostheim entwickelt sich im 14. und 15. Jahrhundert nach und nach zu einem Gemeinwesen, zu einem Dorf, das nach altüberliefertem Recht verwaltet wird. Kodifiziert wird dieses Recht in verschiedenen, noch heute erhaltenen Weistümern. Aus ihnen ergibt sich, dass die Stiftsherren von St.Stephan und die Äbtissin von Altmünster die Ortsgerichtsherren sind. Güterverzeichnisse und Salbücher aus den Jahren 1258, 1264, 1273 und später nennen Flurnamen, die noch heute gebräuchlich sind. Ihren Broterwerb findet die Kostheimer Bevölkerung wohl ganz überwiegend in der Landwirtschaft und dem Weinbau, seltener wohl in Fischfang und Fährbetrieb. Ein besonderes Ereignis werden stets die Königsreisen gewesen sein, führt doch der Weg der Könige von Mainz nach Frankfurt zur Krönung und zurück an Kostheim vorbei. So besteigt im Juli 1442 König Friedrich III. zu Kostheim das Schiff. Aber Kostheim erlebt auch schlechte Zeiten - nicht nur Seuchen, Missernten, Hungersnöte und Feuersbrünste, auch Brandschatzungen, wie jene nach Weihnachten 1461 in Zusammenhang mit der Mainzer Stiftsfehde. Schwierigkeiten gibt es nach wie vor mit dem weltlichen Arm der Herrschaft, den Vögten von Eppstein. Neue Streitigkeiten entwickeln sich im 14.Jahrhundert mit dem Nachbarn, dem Landgrafen von Hessen, weshalb sich St.Stephan mehrfach an den Mainzer Erzbischof wenden muss. Als am 27. Februar 1492 die Grafen von Eppstein ihre Rechte an Kostheim - vorbehaltlich der Vogtei - dem Landgrafen von Hessen verkaufen, ist das Stephanstift bald nicht mehr in der Lage, seine Herrschaft und seine Rechte durchzusetzen. So überlässt es am 4. Juli 1506 „sein“ Dorf Kostheim dem Mainzer Erzbischof gegen eine jährliche Rente von 80 Malter Hafer. Kostheim im Besitz des Mainzer Erzbischofs (1506 - 1792/1806) Als größere Macht kann das Mainzer Erzstift seine Rechte in Kostheim leichter als die Stiftsherren von St.Stephan durchsetzen. Es tut aber noch mehr: Es kauft im August 1528 die Vögte, die Grafen von Eppstein bzw. deren Erben Graf Eberhard von Königstein, für 6000 Goldgulden aus. Der Erzbischof vereint damit geistliche und weltliche Macht in seiner Hand; letztere lässt er durch einen Beamten ausüben. Mit dem Übergang an Mainz untersteht Kostheim auch einer effektiveren Verwaltung. Das neue Weistum von 1528 ersetzt alle vorherigen, abgelöst wird es später durch die Kurmainzer Landgerichtsordnung. Die Ämter des Kostheimer Ober- und Unterschultheisen, des Büttels, der Feldmesser u.a.m. werden jährlich neu vergeben. Verwaltungsaufgaben obliegen auch dem Pfarrer von St.Kilian, dem Kirchenjuraten und Rechner zur Seite stehen. Der Glöckner ist nun gleichzeitig Organist und Schulmeister. Die Lehre Martin Luthers wird auch in Kostheim Anhänger gefunden haben, doch wird sich diese Frage im Sinne einer Gegenreformation im Gesamtkonzept für das katholische Kurmainz gelöst haben. Reformierte Klöster wie Tiefenthal gingen dabei ihrer Kostheimer Güter verlustig. Abermals gebrandschatzt wurde Kostheim im Sommer 1552 nach dem Tod Kardinal Albrechts von Brandenburg, und zwar im Raubkrieg von dessen Verwandten Albrecht Alcibiades gegen das Erzstift. Schwere Zeiten erlebt Kostheim auch durch die Besetzung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Diese erreichen Ende November
1631 die Mainmündung und nehmen einen Monat später Mainz ein. Nach dem Willen der Schweden soll die gesamte Mainmündung eine einzige große Festungsanlage werden. Die Mainzer Wehranlagen werden ausgebaut, ebenso jene Kastels,
auf der Maaraue entstehen Befestigungen und auf der linksmainischen Gemarkung Kostheims wird Gustavsburg gegründet, und zwar als stark befestigte Bastion. Um die Entwicklung der schwedischen Gründung zu fördern, wird
Gustavsburg von vornherein mit Stadtrecht bewidmet. Die schwedischen Pläne können jedoch nicht völlig realisiert werden, da die Die Kriegsfolgen, nämlich Hunger und Seuchen, hat Kostheim noch lange zu spüren. Die Pest wütet 1635, 1666 kann sie jedoch in Grenzen gehalten werden. Zwischen 1631 und 1641 enthält die Pfarrchronik von St.Kilian keine Eintragungen - kein gutes Zeichen! Eine Bestandsaufnahme Kostheims wird 1673 angefertigt. Kostheim zählte damals 113 Anwesen, davon einige „wüst und leer“, mit insgesamt 162 Eigentümern. Rechnet man pro Anwesen zehn Einwohner - eine Familie mit Kindern, Dienstleuten, Knechten und Mägden - kommt man auf etwa 1000 Einwohner, durchaus eine stattliche Zahl. Umgeben war Kostheim von einer Ortsmauer. Nach wie vor dominierten unter den Hofeigentümern die geistlichen Mainzer Institute. |
Kostheim 1475:
Inschrift:
S DES DORFS:VND GERICHTS Von COSTheim
(Siegel des Dorfes und Gerichts von Costheim
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Das 18. Jahrhundert kann man mit Fug und Recht als die Blütezeit Kostheims bezeichnen. Von kriegerischen Ereignissen verschont, gedeihen Landwirtschaft und Weinbau. Ein gewisser Wohlstand zieht ein, der den Umbau der Kiliankirche 1766 bis 1769 zur schönsten Barockkirche am Untermain ermöglicht. An ihrer Ausstattung beteiligt sich durch Schenkungen besonders die Freifrau von Berberich. Auch die Elementarschule in Kostheim - kurz nach 1500 erstmals erwähnt - erlebt im 18. Jahrhundert eine Blüte, wird sie doch 1758 in einer Schulstatistik mit Sonderlob bedacht. Der Lehrer ist zugleich Glöckner und Organist, wohl auch Gemeindeschreiber. An der Spitze der Verwaltung stehen der Ober- und Unterschultheis. Für Kassensachen sind zwei Bürgermeister zuständig. Ein Gerichtspedell, zwei Gerichtshausmeister, mehrere Feldschützen, zwei Pferchmeister, zwei Brotwieger, ein Wagenmeister, ein Zöllner und ein für die Ortsmauer und die Ortstore zuständiger Beamter vervollständigen die Kostheimer „Verwaltung“. Für das 18. Jahrhundert gilt im Besonderen, dass unter dem Krummstab, d.h. unter geistlicher Herrschaft, gut leben war. Auf die Blütezeit folgen sofort Kostheims Unglücksjahre. Das revolutionäre Frankreich hat 1792 Mainz besetzt, das die deutschen Verbündeten zurückerobern wollen. Anfang Januar 1793 stehen sich die Gegner gegenüber - die Franzosen in Kastel, die Deutschen in Hochheim, dazwischen Kostheim, das zum Kampfgebiet wird. Von Anfang Januar bis Ende Juli ziehen sich die Kampfhandlungen hin. Mehrfach wird Kostheim beschossen, am Ende ist es ein Trümmerfeld. Der Wiederaufbau ist zu früh: bis zum Jahre 1813 wird Kostheim noch mehrmals zerstört und besetzt, Landwirtschaft, Viehzucht und Weinbau werden ruiniert. Und dies so sehr, dass 1808 Napoleon auf Bitten des Pfarrers Rößler dem Ort 25 Jahre Steuerfreiheit gewährt - eine Gunst, die 1821 Pfarrer Henrich veranlasst, entgegen landesherrlichem und geistlichem Verbot ein Seelenamt auf den verstorbenen Franzosenkaiser zu lesen. Die Wirrnisse der Zeit bringen auch mehrfache Herrschaftswechsel mit sich. Der Mainzer Kurstaat geht 1792 unter, eine Zeitlang herrschen die Franzosen, 1803 kommt Kostheim auf drei Jahre an Nassau-Usingen und dann an Hessen-Darmstadt, womit ein neuer Abschnitt in der Geschichte Kostheims beginnt. Kostheim bei Hessen (1806 bis heute) Mit dem Ende der alten Ordnung und dem Übergang Kostheims an Hessen-Darmstadt beginnt eine neue Zeit, die Zeit der Technisierung und Industrialisierung. Zunächst beginnt man jedoch mit dem Wiederaufbau des Ortes, der sich über viele Jahre erstreckt. Um 1830 zählt der „Flecken“ Kostheim bereits wieder 202 Häuser mit 1272 Einwohnern. Die neue Zeit bringt den Kostheimern zunächst Nachteile. Die Dampfschiffe verdrängen die bisherigen Mainschiffe, die im April 1840 eröffnete Taunusbahn richtet in Kostheim keinen Bahnhof ein. Ein Großteil der Bevölkerung muss sich nach neuen Berufen umsehen. Hilfreich wirkt dabei die Industrialisierung. In den 1860er Jahren lässt sich in Gustavsburg die MAN nieder; es entstehen in Kostheim eine Zündholzfabrik, große Holzhandlungen, Seifen- und Steinfabriken, die Zellulosefabrik und andere Betriebe mehr, so dass der Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung nimmt. Die selbständige Gemeinde erhält 1872 eine Postagentur, 1875 entsteht das Mädchen-Schulhaus, 1894 wird die Lache zum Floßhafen ausgebaut, im selben Jahr wird die Spar- und Kreditbank gegründet, 1897 die Knabenschule erweitert. Besonders zahlreich sind die Vereinsgründungen. In den 1870er Jahren entstehen die Häuser jenseits der Winter- und Berberichstraße. 1887/89 wird eine feste Mainbrücke erbaut. Um die Jahrhundertwende - 1907 - erfolgt der Anschluss an das Mainzer Straßenbahnnetz. Im Jahr zuvor wird die evangelische Kirche errichtet. Die Einwohnerzahl von Kostheim hat enorm zugenommen. Sie stieg von 2971 im Jahre 1875 auf 4832 im Jahre 1895. Mit der Zeit war die Gemeinde nicht mehr in der Lage, ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen, so dass man sich 1913 nach Mainz eingemeindete. Nach dem Ersten Weltkrieg, der Kostheim die Stationierung von Besatzungstruppen bringt, entsteht der Ortsteil Siedlung. Die wirtschaftliche Entwicklung ist nun ausschließlich von der Wirtschaftslage im Mainzer Raum abhängig. Im Zweiten Weltkrieg wird Kostheim nur wenig zerstört. Es verbleibt bei Hessen, wird aber nicht mehr von Mainz, sondern von Wiesbaden aus verwaltet. Nach schweren Anfangszeiten nimmt Kostheim einen bisher noch nie dagewesenen Aufschwung in jeder Hinsicht: Die Bevölkerung nimmt zu, neue Wohngebiete wie der „Sampel“ entstehen, neue Industrien lassen sich nieder. Dennoch vollzieht sich eine Umstrukturierunq - die Mehrzahl der Kostheimer arbeitet auswärts, wohnt und lebt aber nach wie vor in ihrem Kostheim. Wir haben das Auf und Ab Kostheims in seiner über 1200jährigen Geschichte verfolgt, haben Blüte, Untergang und Wiederaufbau des Ortes mehrfach geschildert. Ich meine, dass sich Kostheim mit seiner Geschichte und in seiner Geschichte sehen lassen kann, und zwar nicht nur damals, sondern auch heute. Ulrich Schmilewski (Als Vortrag während des Brunnenfestes in Kostheim am 8. September 1990 gehalten.)
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Kupferstich von Matthäus Merian d.Älteren, 1646

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Kostheim liegt auf dem rechten Ufer des Mains, an der Mündung in den Rhein. Seine nachweisliche, offizielle Geschichte beginnt im Jahre 790 mit der Unterzeichnung einer Urkunde
durch Karl den Großen. Eine Besiedelung etwa aus der Römerzeit oder früher lässt sich jedoch vermuten. So finden wir noch heute, bei Niedrigwasser, die Überreste eines Brückenpfeilers im Main, nur wenig neben der heutigen
Brücke Kostheim – Gustavsburg. Gräber, Hausfundamente und Brunnen aus der Römerzeit deuten ebenfalls darauf hin, dass an dem Weg der Römer nach Mainz und Kastel und über die Steinerne Straße, mehr als nur ein römischer
Lagerplatz gewesen sein muss. |